Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum | SBBZ SilK am Ortenau Klinikum

Wir beraten und begleiten Kinder und Jugendliche, Erziehungsberechtigte und Schulen zum pädagogischen Umgang mit Krankheit.

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Beratung

Beratung

Im Rahmen des Sonderpädagogischen Dienstes beraten und unterstützen wir akut und chronisch erkrankte Schüler:innen sowie deren Erziehungsberechtigte und Lehrkräfte. Wir informieren zu den vielfältigen Krankheitsbildern und zum Umgang mit ihnen im Schulalltag. Darüber hinaus unterstützen wir bei der Entwicklung von individuellen schulischen Rahmenbedingungen.
Wir beraten zu schulrechtlichen Fragen, die sich aus der jeweiligen Erkrankung ergeben können. Schwerpunkte hierzu sind der Nachteilsausgleich, die Medikamentengabe an Schulen oder auch Informationen zu längeren Fehlzeiten in der Schule.
Weiter beraten wir zur Schullaufbahn, unterstützen im Bedarfsfall bei der Suche nach einem neuen Lernort und begleiten die schulische Reintegration.
Nachteilsausgleich

Nachteilsausgleich

Durch eine Behinderung oder Erkrankung können für Kinder und Jugendliche schulische Nachteile entstehen. Der Nachteilsausgleich (NTA) bietet die Möglichkeit diese durch pädagogische Hilfen und Regelungen auszugleichen. Dabei wird davon ausgegangen, dass das Kind grundsätzlich dem Anforderungsprofil der Schule gerecht wird, dieses aber aufgrund der Erkrankung nicht leisten kann.
Die Klassenkonferenz prüft gemeinsam mit welchen besonderen Hilfen und Regelungen der/die Schüler:in sowohl im Unterricht als auch bei den Leistungsüberprüfungen unterstützt werden kann. Sie beschließt den NTA; ihre Beschlüsse sind für jede Lehrkraft bindend. Der NTA wird nicht im Zeugnis vermerkt!

Häufige Krankheitsbilder

Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1 fehlt nur Insulin, sonst nichts!

Krankheitsbeschreibung

In Deutschland gibt es rund 25.000 Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 20 Jahren, die mit Typ-1-Diabetes leben.

Typ-1-Diabetes bzw. Diabetes mellitus Typ 1 ist eine Störung des Kohlenhydratstoffwechsels, die sich in ständig erhöhten Blutzuckerwerten äußert. Ohne Behandlung kann es zu Folgeerkrankungen kommen. Diabetes hängt eng mit dem Insulinhaushalt zusammen. Dieses Hormon wird in den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse produziert und bedarfsgerecht in das Blut abgegeben. Nur durch Insulin kann Zucker aus dem Blut in die Körperzellen eingeschleust werden, wo er zur Energiegewinnung benötigt wird. Menschen mit Diabetes haben zu wenig oder kein Insulin. Die mit der Nahrung aufgenommenen Nährstoffe (Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß) können nicht richtig verwertet werden und es gelangt nicht genügend oder kein Zucker in die Zellen. Dadurch ist der Blutzuckerspiegel deutlich erhöht. Ständig zu hohe Blutzuckerwerte führen zu Folgeerkrankungen an Augen oder Nerven. Weitere negative Folgen sind Durchblutungsstörungen.
 
Diabetes Typ 1 findet sich schon im Kindes- und Jugendalter, kann aber auch in jedem anderen Lebensalter auftreten. Nach kurzer Zeit entwickelt sich ein vollständiger Mangel an Insulin. Betroffene sind ein Leben lang auf die regelmäßige Gabe von Insulin angewiesen, weil dies die einzige Möglichkeit ist, ihre Blutzuckerwerte zu normalisieren. Das Insulin wird entweder mit einem Insulin-Pen unter die Haut gespritzt oder über eine Insulinpumpe abgegeben.
 
Das Ziel einer dauerhaften, individuellen Behandlung des Typ-1-Diabetes ist die Normalisierung des Blutzuckerspiegels. Dabei müssen Blutzuckerentgleisungen nach oben oder unten vermieden werden. Menschen mit Diabetes können mit der richtigen Behandlung ein fast völlig normales Leben führen. Diabetes zu haben, heißt nicht automatisch, eine schlechtere Lebensqualität zu besitzen.

Auswirkungen auf den Schulalltag

Grundsätzlich können Kinder und Jugendliche mit Diabetes problemlos am Schulalltag teilnehmen. Komplikationen können jedoch durch eine Unter- bzw. Überzuckerung auftreten.

Unterzuckerung:
Die häufigste akute Komplikation eines Diabetes mellitus ist die Unterzuckerung (Hypoglykämie). Sie liegt im Allgemeinen vor, wenn der Blutzuckerspiegel unter 70 mg/dl sinkt. Kennzeichen der Hypoglykämie sind Blässe um Mund und Nase, Schweißausbruch, Müdigkeit, Heißhunger, Konzentrationsabfall, Bewegungs- und Koordinationsstörungen, Kopfschmerzen, Sprachstörungen und Wesensveränderungen (z.B. Aggressivität, Weinerlichkeit, starke Anhänglichkeit).

Was ist zu tun?
In diesem Fall muss das Kind angehalten werden, den Blutzuckerwert zu messen und Traubenzucker zu essen oder Fruchtsaft zu trinken. Im schlimmsten Fall kann eine Unterzuckerung zur Bewusstlosigkeit mit Krämpfen führen. Sofern vorhanden, kann dem Kind ein Glucagonnasenspray (baqsimi) verabreicht werden. Sofortiger Notruf (112) und die Benachrichtigung der Eltern sind unerlässlich.

Das Kind muss während des Unterrichts immer die Möglichkeit haben, seine Blutzuckerwerte zu messen und bei Unterzuckerung zu essen und zu trinken.
 
Überzuckerung:
Bei Blutzuckerwerten meist deutlich über 250 mg/dl liegt eine Überzuckerung (Hyperglykämie) vor. Sie ist akut nicht gefährlich, führt aber langfristig zu gesundheitlichen Folgeschäden. Kennzeichen der Überzuckerung (Hyperglykämie) sind starker Durst, häufiger Harndrang, rasche Ermüdung, Übelkeit, Erbrechen und Azetongeruch des Atems.

Was ist zu tun?
In diesem Fall soll ebenfalls der Blutzuckerwert durch das Kind gemessen werden. Ältere Schüler:innen können selbst entscheiden was zu tun ist. Bei jüngeren Kindern handelt die Lehrkraft entsprechend der Absprache mit den Eltern.

Pädagogischer Umgang mit der Erkrankung

- Alle Lehrkräfte müssen informiert werden, wenn ein an Diabetes erkranktes Kind in die
Schule aufgenommen wurde. Sie müssen die Anzeichen der Unterzuckerung erkennen.
Schulen werden gebeten, dass sich mindestens zwei Lehrkräfte fortbilden.
- Mit den Eltern muss eine Rufbereitschaft eingerichtet werden.
- Schüler:innen mit Diabetes müssen während des Unterrichts die Zuckerwerte messen und
bei Unterzuckerung essen und trinken können. Das Messen der Zuckerwerte mit Hilfe
eines Smartphones muss gewährleistet sein.
- Beim Sport ist die Kontrolle der Zuckerwerte vor, während und nach dem Unterricht
besonders wichtig. Bei einem Wert unter 70 mg/dl darf kein Sport gemacht werden.
- Empfehlenswert ist es, wenn die Lehrkraft in die Handhabung des Messgerätes bzw.
Sensors von den Eltern eingewiesen wird, um das Kind im Notfall unterstützen zu können.
- Die Erinnerung an eine Zwischenmahlzeit ist gegebenenfalls wünschenswert.
- In den Pausen müssen die Schüler:innen mit Diabetes die Möglichkeit zur Insulingabe
haben.
- Bei Ausflügen ist zur Unterzuckerungsbehandlung das Mitführen von Traubenzucker oder
Apfelsaft sinnvoll.
- Bei außerunterrichtlichen Veranstaltungen muss ein Notarzt per Telefon kontaktiert
werden können.
- In der Schule sollte der/die Schüler:in ein Nasenspray zur
Unterzuckerungsbehandlung mit sich führen. Über die Handhabung soll eine genaue
schriftlich fixierte Absprache mit den Eltern erfolgt sein.
- Bei Notfällen muss die Lehrkraft eine Unterzuckerungsbehandlung mittels eines
Nasensprays durchführen.
- Im Notfall: Notruf 112 tätigen!
- Schüler:innen mit Diabetes haben einen Anspruch auf Nachteilsausgleich.

Weitere verbindliche Hinweise finden sich in der Verwaltungsvorschrift „Verabreichung von Medikamenten bei chronischen Krankheiten in Schulen“ vom 04.02.2013. Bei Klassenarbeiten muss bei o.g. Symptomen mehr Arbeitszeit zur Verfügung gestellt werden. Bei Leistungen, die deutlich von den sonst üblichen Benotungen des Kindes abweichen, sollte geprüft werden, ob ein Zusammenhang mit Diabetes besteht. Dies gilt vor allem auch für Sportleistungen. Hilfen zum Nacharbeiten bei Schulversäumnissen.

Quellen

Hürter/von Schütz/Lange (2016): Kinder und Jugendliche mit Diabetes. Medizinischer und psychologischer Ratgeber für Eltern. S.33.
 

ME/CFS ist eine komplexe, oft langfristige Erkrankung, die vor allem durch eine ausgeprägte Erschöpfung gekennzeichnet ist.

Krankheitsbeschreibung

ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue Syndrom) ist eine noch wenig erforschte Erkrankung. Nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche können davon betroffen sein. In den meisten Fällen entsteht ME/CFS in Folge einer akuten Infektionserkrankung, beispielsweise nach einer Grippe, dem Pfeifferschen Drüsenfieber (Epstein-Barr-Virus) oder einer Coronavirus-Erkrankung (COVID-19). Die schwere Multiorganerkrankung wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als neurologische Krankheit eingestuft und führt oft zu starken körperlichen Beeinträchtigungen.
Das Hauptsymptom von ME/CFS ist eine krankhafte Erschöpfung (Fatigue) sowie eine Belastungsintoleranz (PEM), die alle alltäglichen Aktivitäten erheblich einschränken kann. Weitere Symptome können sein:
- Kopfschmerzen, Schwindel
- Muskel- und/ oder Gelenkschmerzen
- Störungen von Schlaf, Konzentration, Gedächtnis oder Kreislauf
- Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm, Hitze oder Kälte

Charakteristisch für ME/CFS ist eine ausgeprägte und lang anhaltende Verstärkung aller Symptome nach geringer körperlicher oder geistiger Anstrengung. Diese zeitverzögerte Symptomverschlechterung bezeichnet man als Post-Exertionelle Malaise (PEM). Eine PEM kann bereits durch alltägliche Dinge, wie Einkaufen, Duschen oder eine Unterhaltung ausgelöst werden. Bei einem sogenannten „crash“ fällt die Belastungsgrenze der Betroffenen stark ab und die Symptome verstärken sich. Die Symptomverschlechterung hält häufig über mehr als 24 Stunden an. Als Folge können Betroffene ihrem normalen Alltag nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr nachgehen. Es häufen sich Fehltage in Schule, Ausbildung, Studium oder am Arbeitsplatz. Hobbys, sportliche Aktivitäten und soziale Kontakte werden stark eingeschränkt oder sind gar nicht mehr möglich. Das Leben muss neugestaltet und strukturiert werden.
 
Auswirkungen auf den Schulalltag

Die Auswirkungen von ME/CFS sind individuell sehr unterschiedlich und können von Tag zu Tag variieren. Durch die Erkrankung ist es Schüler:innen zeitweise oder über einen längeren Zeitraum nicht mehr möglich, die Schule zu besuchen und Leistungen zu erbringen. Auch zusätzliche Aufgaben, wie beispielsweise das Erledigen der Hausaufgaben, können die Betroffenen nicht zuverlässig erledigen. Des Weiteren können der Kontakt und die Beziehung zu Gleichaltrigen eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich sein.

ME/CFS-Betroffene und deren Familien durchleben oft schon vor der Diagnosestellung eine enorm herausfordernde Zeit. ME/CFS wird oftmals als psychische Erkrankung fehldiagnostiziert oder von Lehrkräften als Faulheit interpretiert. Dies kann wiederum zu einer starken Belastung und Verunsicherung der Betroffenen führen. Viele Patient:innen versuchen, bestmöglich am Schulunterricht oder außerschulischen Veranstaltungen teilzunehmen, müssen sich aber danach stunden- oder tagelang liegend erholen.
Die Auswirkungen der Erkrankung auf den schulischen Alltag sind vielseitig und zeigen sich auf einem breiten Spektrum. Aus diesem Grund werden im Folgenden einige exemplarische Beispiele beschrieben, wie sich ME/CFS auf die Schule auswirken kann:
Die Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit können durch ME/CFS-Symptome, wie zum Beispiel Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme, nicht erholsamen Schlaf, sowie Kopf- und andere Schmerzen, stark beeinträchtigt sein und damit die schulischen Leistungen verschlechtern.
Kinder und Jugendliche mit ME/CFS haben oft Probleme, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, z.B. Zuhören und Schreiben.
Viele Betroffenen leiden in den Morgenstunden unter stärker ausgeprägten Symptomen, sodass sie Probleme haben, morgens zur Schule zu kommen oder morgens in der Schule konzentriert zu sein.
Betroffene können hinsichtlich ihres Reaktionsvermögens, der Verarbeitung von Informationen, sowie beim Abrufen von verbalen und visuellen Eindrücken Defizite aufweisen.
Einige Schüler:innen mit ME/CFS können zwar die Aufgaben für ihre spezifische Altersgruppe erledigen, benötigen dafür aber mehr Zeit als regulär vorgesehen.
Kinder und Jugendliche mit ME/CFS haben je nach Krankheitsbild häufige Fehlzeiten oder können die Schule über einen längeren Zeitraum nicht mehr besuchen.
 
Pädagogischer Umgang mit der Erkrankung

ME/CFS ist eine komplexe Erkrankung, die sich stark auf das Lernen und die Teilhabe am Unterrichtsgeschehen auswirkt. Lehrkräfte sollten sich darum bemühen, den Unterricht und die Lernumgebung so anzupassen, dass die betroffenen Schüler:innen bestmöglich am Schulalltag teilnehmen können. Dies kann unter anderem durch folgende Maßnahmen versucht werden:
- Nachteilsausgleich anbieten
- Material für abwesende Schüler:innen bereitstellen
- Teilhabe am Unterricht unter Berücksichtigung des Gesundheitszustands ermöglichen (z.B. durch Onlineunterricht, Einsatz eines Avatars)
- Schwerpunktsetzung auf die Hauptfächer
- zusätzliche Pausen ermöglichen, Rückzugsmöglichkeiten schaffen
- Entlastung während des Unterrichts: z.B. Liege im Klassenraum, Referate im Sitzen
individualisierter Stundenplan
- zweites Bücherset
- Wege erleichtern (z.B. Fahrstuhl, lange Wege vermeiden)
- flexible Unterrichtszeiten (z.B. späterer Beginn des Schultags)

Quellen
ME-CFS_SPZ_InfoblattLehrer_2.pdf (ukw.de)

Universitätsklinikum Würzburg: Sozialpädiatrisches Zentrum: Post-COVID / Postvirale Syndrome und ME/CFS (ukw.de)

Home - MOVE-COVID BADEN-WÜRTTEMBERG

Asthma ist eine chronische Entzündung der Atemwege, die anfallsweise zu Atembeschwerden führen kann.

Krankheitsbild
 
Asthma ist eine der häufigsten Kinderkrankheiten, von der etwa 8 - 15% der Kinder und Jugendlichen betroffen sind. Die chronische Entzündung der Atemwege kann zu einem Asthma-Anfall führen, bei dem die Atemwege so eingeengt sind, dass das Atmen, vor allem das Ausatmen, schwerfällt. Es kommt zu akuter Atemnot, die als lebensbedrohlich erlebt wird. Auslöser eines Asthma-Anfalls können Allergene, Tabakrauch, Staub, Pollen, Infektionen, eisige Luft, Anstrengungen, Stress und Konfliktsituationen sein. Über die Ursachen weiß man bisher nur, dass diese Erkrankung offenbar durch ein Zusammentreffen von Erb- und Umweltfaktoren zustande kommt. In der Regel sind asthmakranke Kinder und Jugendliche medikamentös eingestellt. Bei einer Dauertherapie werden vorbeugende und entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Vor oder während eines Anfalles sind Bronchien erweiternde Medikamente in Form von Notfall-Sprays unverzichtbar.
 
Pädagogischer Umgang mit der Erkrankung
 
Viele Kinder mit Asthma kommen oft müde und erschöpft in die Schule, weil ihnen nächtliche Atemnotattacken den Schlaf geraubt haben. Darunter leidet die Konzentrationsfähigkeit ebenso wie die Leistungsbereitschaft. Je nach Schwere der Asthma-Anfälle kann es zu Fehlzeiten, eventuell auch zu stationären Klinikaufenthalten kommen. Zu besonderen Beeinträchtigungen kann es bei Infektionen und Stresssituationen (z. B. Klassenarbeiten) kommen.
Sport und Asthma schließen sich nicht aus. Vor dem Sportunterricht sollte das an Asthma erkrankte Kind nach seiner Befindlichkeit befragt werden. Keine Teilnahme am Sportunterricht bei akuten Infekten und bereits bestehender Atemnot.
Vom Arzt verordnete Medikamente sollte der/die Schüler:in mit sich führen. Bei Teilnahme am Sportunterricht sollten die Medikamente grundsätzlich mit in die Sporthalle genommen werden!  
Bei einer bekannten Asthmaerkrankung müssen die Lehrkräfte bei geplanten außerschulischen Aktivitäten, wie z. B. Wanderungen, Sportveranstaltungen usw. grundsätzlich Rücksprache mit den Eltern halten.

Die Betroffenen kennen in der Regel Warnsymptome, die einem Anfall vorausgehen (z. B. Unruhe, aufsteigende Angst, Blässe, Kurzatmigkeit, beginnende Luftnot, trockener Husten, keuchende Atemgeräusche). Meist hilft die sofortige Anwendung eines Bronchien erweiternden Medikaments und die Einnahme einer entlastenden Körperhaltung (vorgebeugte Haltung, sitzend oder stehend, nicht liegend!), um den Asthma-Anfall zu verhindern.

Tritt dennoch ein Anfall auf, handeln die Schüler:innen nach dem ihnen bekannten Notfallplan: Die für diese Situation verschriebenen Medikamente werden eingesetzt und die entlastende Körperhaltung wird beibehalten. Die Eltern sind dafür verantwortlich, dass ihr Kind Notfallmedikamente bei sich führt. Nach dem Anfall darf das Kind sich unter Beobachtung ausruhen. Tritt nach Einnahme der Medikamente keine sofortige Besserung der Beschwerden ein, ist der Notruf 112 zu tätigen.

Unbedingt vor dem Betroffenen Ruhe bewahren, ihn beruhigen und nicht alleine lassen.

Nachteilsausgleich

Fallen Klassenarbeiten in einen Zeitraum, in dem das Kind oder der/die Jugendliche durch seine Erkrankung akut eingeschränkt ist, wird mehr Zeit zur Verfügung gestellt. Das individuelle Leistungsvermögen im Sportunterricht muss beachtet werden. Gegebenenfalls kann die Sportnote ganz ausgesetzt werden. Die Befreiung vom Sportunterricht erfolgt nur in besonderen Fällen.

Quellen

Chronische Atemwegserkrankungen | MEOCLINIC

https://www.toppharm.ch/krankheit/asthma

Mit Wissen, Rücksicht und kleinen Anpassungen wird der Unterricht für Kinder mit Mukoviszidose zum Kinderspiel

Krankheitsbild

Mukoviszidose, auch Cystische Fibrose genannt, ist eine der häufigsten angeborenen Stoffwechselkrankheiten in Deutschland. Die Krankheit ist nach wie vor unheilbar, aber behandelbar. Der medizinische Fortschritt konnte die Krankheit abmildern und ihren Verlauf verlangsamen.
Bei Mukoviszidose kommt es zu einer Verengung der Atemwege durch zähen Schleim, was häufig zu Lungenentzündungen führt. Oft sind auch Bauchspeicheldrüse und Darm betroffen: Fett kann über die Nahrung nicht (adäquat) verdaut werden; es müssen daher Enzyme zur Verdauung substituiert werden.
 
Was es heißt, mit Mukoviszidose zu leben am Beispiel eines Grundschulkindes:
Aufgrund der Tatsache, dass während der Schlafphase der Schleim nicht genügend abgehustet werden kann, muss das Kind etwa um 6:00 Uhr aufstehen, damit vor dem Schulbesuch mindestens 1 Stunde Therapie durchgeführt werden kann: Diese beinhaltet Atemübungen und Inhalationen, um den zähen Schleim abzuhusten. Bis zu 60 Tabletten, Dragees und Kapseln müssen pro Tag geschluckt werden. Das Essen muss kalorienreich sein. Nach der Schule und am Abend muss das Gymnastik- und Inhalationsprogramm erneut durchgeführt werden, um den zähen Schleim aus den Atemwegen zu entfernen.


Auswirkungen auf den Schulalltag

- häufige Fehlzeiten durch regelmäßig stattfindende Krankenhausaufenthalte
- Medikamenteneinnahme zu jeder Mahlzeit
- bei Bedarf essen und trinken während des Unterrichts
- Müdigkeit, mangelnde Motivation und Konzentrationsschwäche entstehen durch eine krankheitsbedingte schlechte Sauerstoffversorgung und durch Therapieüberforderung
- eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit, die je nach Ausprägung und Verlauf der Krankheit unterschiedlich sein kann


Pädagogischer Umgang mit der Erkrankung

Für Kinder mit Mukoviszidose müssen besondere Hygienevorschriften beachtet werden, da eine erhöhte Infektionsgefahr für das Kind besteht. Die Erkrankung ist nicht ansteckend, auch das Husten ist für das erkrankte Kind und für die Mitschüler:innen völlig ungefährlich.

Was tun bei Müdigkeit, Bauchweh, Kopfschmerzen nach Hustenanfall?
Schüler:in soll jederzeit Gelegenheit gegeben werden, sich hinzulegen.

Vermeidung von Infekten/Hygiene:
- Schüler:in muss Abstand halten von erkälteten Kindern (ggf. Sitzordnung ändern).
- trockene Luft im Klassenzimmer durch häufiges Lüften vermeiden
- Handhygiene berücksichtigen
- Toilettenspülung nur mit geschlossenem Deckel
- am Waschbecken den Wasserstrahl nicht direkt in den Siphon laufen lassen
- Kind vom Tafeldienst befreien
- möglichst auf das Arbeiten mit Wasserfarben verzichten
- abgestandenes Wasser vermeiden

Essen:
Schüler:in sollte viel und kalorienreich essen/trinken und braucht dazu Ruhe und Zeit. Das Kind darf auch während der kleinen Pausen und während der Stunde etwas zu sich nehmen. Das Kind muss zeitweise häufiger oder plötzlich auf die Toilette, dies ist ihm auch während des Unterrichts erlaubt.

Schulbücher:
Schüler:in hat einen Satz Schulbücher daheim und einen im Klassenzimmer, um schweres Tragen zu vermeiden.

Nachteilsausgleich
Bei Klassenarbeiten wird je nach Belastung dem/der Schüler:in mehr Zeit zur Verfügung gestellt. Bei Leistungen, die deutlich von den sonst üblichen Benotungen des Kindes abweichen, sollte geprüft werden, ob ein Zusammenhang mit der Mukoviszidose-Erkrankung besteht.
 
Häufige Fehlzeiten:
Mit dem Kind und den Mitschüler:innen oder der Klassengemeinschaft sollten Regelungen vereinbart werden, wie der versäumte Unterrichtsstoff übermittelt werden kann (z.B. Kopien von Mitschrieben, Weitergabe von Arbeitsblättern).


Quellen

Klinikschule Tübingen „Ausführungen zu Mukoviszidose“
von Michael Klemm und Jutta Verfürth

„Mukoviszidose – ein Ratgeber für Kindergarten und Schule“ vom Mukoviszidose e.V.

Was ist Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF)? | Mukoviszidose e.V. Bundesverband Cystische Fibrose (CF)

Mukoviszidose: Krankheitsbild, Betroffene, Ernährung, Praxistipps

2017-Schule-und-Krankheit-Robert-Bosch-Stiftung.pdf
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Medikamentengabe

Medikamentengabe

Grundsätzlich gilt: Bei Notfällen und Unfällen muss erste Hilfe geleistet oder eine medizinische Versorgung veranlasst werden, auch ohne Rücksprache mit den Eltern.
Eine ständige medizinische Versorgung mit Medikamenten oder eine Überwachung der Medikamentengabe kann im Auftrag der Eltern und auf Anweisung des Arztes durchgeführt werden.
Für die Medikamentenverabreichung gilt, dass die Schule Medikamente oral verabreichen kann, wenn die Dosierung immer gleich und vom Arzt festgelegt ist. Wenn damit eine kleine medizinische Verrichtung verknüpft ist, kann dies nicht gegen den Willen der Lehrkraft geschehen. Medikamentenverabreichungen, die in der Regel von medizinischem Personal durchgeführt werden, dürfen nicht von der Schule durchgeführt werden und können auch nicht eingefordert werden. Lehrkräfte sind gemäß §§104 SGB VII vor Schadensersatzansprüchen geschützt.